Dommusik St. Kilian

Kirchenmusikalisches Konzert am 10.4.2016 in St. Kilian

 

Michael May/IKZ

 

Das Collegium musicum unter Leitung von Manfred Bühl hat gezeigt, dass Letmathe über ein leistungsstarkes Kammerorchester mit Niveau verfügt.

 

Der Kirchenraum in St. Kilian füllte sich am frühen Sonntagabend nur ganz allmählich. Doch pünktlich zum Konzertbeginn des Collegium musicum Letmathe waren die Bänke erfreulich zahlreich besetzt. Eine gute Stunde Orchestermusik, die vom Barock über die Klassik bis in die neuere Zeit reichte, stand auf dem Programm, das die Musiker, ihre Gäste und ihr Leiter, Manfred Bühl, dem Publikum bieten wollten. Für Manfred Bühl, den studierten Sänger und jetzigen Kirchenmusiker im Bistum Aachen, war das Konzert ein Heimspiel.

Der in Iserlohn geborene Musiker begann auch hier und in der Nachbarstadt mit seiner ersten musikalischen Ausbildung. Trotz seines inzwischen veränderten Lebensmittelpunktes, trifft er sich einmal wöchentlich mit den Musikern des Collegium musicum, um, wie sich während des Konzertes schnell herausstellte, erstaunlich niveauvolle Orchesterarbeit zu leisten.

Mit Telemanns Sinfonia melodica C-Dur starteten die Musiker. Sehr schwungvoll und beseelt formten sie die Sätze und folgten Bühls akkuratem Dirigat sehr aufmerksam. Die Soli im ersten Satz übernahmen Ernina Hippler, Flöte und der junge, hochtalentierte Geiger Patrick Oppelcz, der erst kürzlich den Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ im Fach Violine in seiner Altersgruppe gewonnen hatte. Den Solisten gelang ein harmonisches Zusammenspiel mit Wohlfühlcharakter.

Bei Mozarts Adagio E-Dur KV 261 zeigte Patrick Oppelcz eine erstaunliche Reife. Er überhörte die leichten Schwächen in der Intonation der Streicher und begann sein Solo fein austariert. Seine sanfte Bogenführung bezauberte ebenso wie sein gestalterisches Vermögen und seine geschmeidigen Kantilenen. Der junge Geiger lieferte ganz große Kunst. Das Orchester ließ mit C. F. Abels Sinfonia G-Dur „Gebrauchsmusik“ in feinster Manier erklingen und begab sich dann in komplett andere Gefilde. Mit Regers „Lyrischem Andante“ hielt Spätromantik Einzug. Statt der zuvor gehörten Leichtigkeit der Melodieführung nahmen lange, fließende Melodiebögen Platz.
Die Violinen wollten jetzt gar nicht mehr fröhlich wirken, sondern schalteten in den abgedunkelten Modus, um Regers Musiksprache so ganz nahe zu kommen.
An den Schluss des Konzerts hatte Bühl Auszüge aus Telemanns „Klingende Geographien“gestellt. Seine, Ende der 1950er Jahr neu zusammengestellten Instrumentalsuiten geben einen Einblick in das Wesen der jeweiligen Nation. Das Collegium musicum interpretierte auch dieses Werk sehr konzentriert und in der Handhabung überzeugend. Das Publikum war am Ende des Konzerts begeistert und hätte sicherlich noch mehr als eine Zugabe gehört.
                                                                            

IKZ 14.4.16  Stefanie Kühlmann-Kick