St. Kilian Letmathe

Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Kilian

 

1253 

Die erste urkundliche Erwähnung eines Geistlichen in Letmathe datiert auf den 3. Juli 1253. Es ist davon auszugehen, dass mit der Anwesenheit eines Geistlichen in “Lethmette” eine Pfarrei in Letmathe exisitert. Vermutungen, die Pfarrgemeinde habe bereits vor 1253 bestanden, lassen sich aufgrund des Patroziniums des hl. Kilian anstellen. Jedoch können diese nicht belegt werden.

 

1308

Außer der Nennung eines Priesters in der Mitte des 13. Jahrhunderts gibt es keine weiteren Informationen über die Letmather Gemeinde. Erst mit der Wende zum 14. Jahrhundert taucht der Name Letmathe im sogenannten “Liber valoris”, einer Auflistung aller zur Erzdiözese Köln gehörenden Gemeinden, auf. In dem Dokument von 1308 wird deutlich, dass Letmathe, neben 15 weiteren Gemeinden, zum Dekanat Lüdenscheid gehört. Unter anderem gehören die Nachbargemeinden Elsey, Erigste (Ergste) und Webelincwerde (Wiblingwerde) zum Einzugsgebiet des Dekanats Lüdenscheid.

 

vor 1400

Die Anfänge eines mittelalterlichen Kirchbaus liegen völlig im Dunkeln. Dass eine Kirche an der Stelle des heutigen Kiliansdomes gestanden hat, ist kaum anzuzweifeln. Der 1914 abgebrochene Bau ist das Ergebnis eines Ende des 17. Jahrhunderts erfolgten umfassenden Umbaus eines schon bestehenden Gebäudes. Da durch die gesamte Zeit der schriftlichen Überlieferung, also bis zurück ins 14. Jahrhundert, nichts über eine Kirchbautätigkeit berichtet wird, wird der 1914 abgerissene Bau in seinen Grundelementen wohl aus der Zeit vor 1400 gestammt haben.

 

ab 1600

Bei Betrachtung der Entwicklung der Reformation in der Mark und der Grafschaft Limburg fällt auf, dass sich Letmathe den übermächtigen Tendenzen der Zeit entziehen konnte. Für etwa dreihundert Jahre blieb Letmathe die einzige katholische Pfarrei der Grafschaft Limburg. Auch im benachbarten märkischen Raum (Iserlohn, Altena) dauerte es zweihundert Jahre, bis sich eigene katholische Gemeinden neu bilden konnten. Bevor die durch die industrielle Revolution im 18. und 19. Jahrhundert hervorgerufene Bevölkerungsverschiebung Katholiken in die Mark und in die Grafschaft Limburg führte, änderten sich die Konfessionsverhältnisse im heimischen Raum kaum. Vom frühen 17. bis späten 18. Jahrhundert, für Limburg sogar tief ins 19. Jahrhundert, war Letmathe eine katholische Insel, deren Beziehung zur katholischen Welt nur aus Kontakten zum Kaland in Menden, zu den Franziskanern in Dortmund, die zeitweise die Seelsorge übernahmen, und den katholischen Aktivitäten der Patronatsfamilie von Brabeck bestand. Hätte nicht die Patronatsfamilie von Brabeck ihren mächtigen Einfluss ausgeübt, wäre wohl auch Letmathe protestantisch geworden.

 

1693

Wegen der Baufälligkeit der Kirche wurde diese 1687 teilweise abgebrochen und neu errichtet. Diese Restaurierung war aber wohl so mangelhaft ausgeführt, dass neue Erhaltungsarbeiten nötig wurden. Der Fürstbischof Jobst Edmund von Brabeck erklärte sich bereit, die Kirche auf seine Kosten renovieren zu lassen. 1693 war nach zweijähriger Arbeit die Erneuerung abgeschlossen. Die einschiffige und dreijochige Kirche blieb bis zu ihrem Umbau im späten 19. Jahrhundert in ihrer ursprünglichen Form erhalten und musste 1914 dem Bau der heutigen Kilianskirche weichen.

 

1821

Nach der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress war es möglich, in den deutschen Staaten auch die Kirchenorganisation zu reorganisieren. 1821 kam es zu einer Neueinteilung der preußischen Bistümer. Das Erzbistum Köln wurde zwar wiedererrichtet, verlor aber beträchtliche Gebiete im Osten, vor allem den westfälischen Raum. Damit endete auch die seit ihrem Bestehen andauernde Zugehörigkeit der Pfarrei St. Kilian zur Erzdiözese Köln. Das bisherige Bistum Paderborn wurde mit dem Bistum Corvey, dem kölnischen Westfalen, dem preußischen Eichsfeld und dem Magdeburger Land zusammengelegt. Seit 1821 gehört Letmathe somit zum Bistum Paderborn (seit 1930 Erzbistum) und liegt, seit 1958 das Ruhrbistum Essen gegründet wurde, an der Grenze zu dieser Diözese, zu der die südliche Nachbargemeinde Nachrodt-Wiblingwerde bereits gehört.

 

1879

Das Problem des Kirchbaus wurde in den sechziger und siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts immer dringender. Der Kirchenvorstand beschloss 1869 dann den Umbau der Kirche, doch wurde wegen Finanzierungsproblemen erst 1878 der Grundstein für die Erweiterung gelegt. 1879 wurde der Erweiterungsbau fertiggestellt. Sehr bald zeigten sich jedoch Bauschäden, die vor allem von der verwendeten Zinkasche herrührten und das Kirchengebäude zu einem Dauerthema für die Gemeinde machten. Da durch den Erweiterungsbau die Platzprobleme in der Kirche nicht gelöst worden waren, stand die Gemeinde vor der Frage, ob die Kirche erneut umgebaut und erweitert werden solle oder ob ein Kirchenneubau die Probleme lösen würde. Nach heftigen Auseinandersetzungen in der Gemeinde hinsichtlich eines Kirchenneubaus und des zugehörigen Standortes entschied der Kirchenvorstand 1910, nach über 10-jähriger Diskussion, die alte Kirche niederzureißen und an gleicher Stelle eine neue Kirche zu errichten.

 

1917

Am 15.2.1914 fand in der alten Kirche der letzte Gottesdienst statt. Für die Bauzeit der neuen Kirche wurde neben dem Kirchplatz eine Notkirche errichtet. Die in Aussicht genommende Fertigstellung des Neubaus für den Oktober 1915 war durch den ausbrechenden Weltkrieg zunichte gemacht worden. Die Bautätigkeit ruhte zunächst für längere Zeit. In Erwartung des baldigen Kriegsendes beschloss der Kirchenvorstand, weiter zu bauen. Am Martinsfest 1917 wurde die heutige Kirche geweiht. Auf die Bedrängnisse der Zeit weisen die Verse an der Orgelempore hin:

 

Im Weltenkrieg ward ich erbaut, Hab oft nach Frieden ausgeschaut. Bin nun vollendet mit vieler Not. Und immer noch stürmt’s blutigrot. Heut’ weihte mich des Bischofs Hand, Herr Gott! Schenk Frieden dem Vaterland!

Letmathe, 11.11.1917

 

1922

1922 wurden Überlegungen angestellt, das große Dekanat Iserlohn zu teilen und die westlichen Gemeinden zu einem eigenen Dekanat zu vereinigen. Schließlich wurden die Dekanate Menden, Iserlohn und Letmathe gebildet. Zum Dekanat Letmathe gehörten Altena, Hohenlimburg, Letmathe, Lüdenscheid mit Brügge, Nachrodt, Oestrich, Plettenberg mit Eiringhausen und Werdohl. Nicht zuletzt weil Letmathe die weitaus größte katholische Gemeinde im neuen Dekanat war, wurde Letmathe 1923 Sitz des Dekanats.

 

1939

Das 1923 gegründete Dekanat Letmathe wurde 1939 wieder aufgelöst. Die Entfernungen im Dekanat waren groß, die Verkehrsverbindungen umständlich und zudem gehörte ein großer Teil des Dekanats zum Kreis Altena. Die Gemeinden Letmathe, Oestrich und Hohenlimburg schlossen sich dem Dekanat Iserlohn an.

 

ab 1945

Die Nachkriegszeit stellte auch die katholische Kirchengemeinde St. Kilian vor ganz neue und schwierige Probleme. Die Stadt Letmathe war zwar weitgehend vom Krieg verschont geblieben, musste aber große Ströme von Vertriebenen aufnehmen und eingliedern. Wichtige Entscheidungen über die Wiedereinrichtung des konfessionellen Schulwesens, die Rückgabe des Marienhospitals an die Pfarrgemeinde, die Beschaffung von Wohnraum mit kirchlicher Hilfe und die Neukonstituierung des katholischen Vereinswesens standen in den Jahren nach 1945 an. Dies ging einher mit einem regen und aktiven kirchlichen Leben, vor allem in den vierziger und fünfziger Jahren. Danach erlebte und erlebt die Gemeinde bei allem äußeren Wohlstand tiefe Einbrüche in Gläubigkeit und Kirchlichkeit. Seit den sechziger Jahren geht die Beteiligung am kirchlichen Leben deutlich zurück. Die Anzahl der Gemeindemitglieder sank von etwa 8000 (1946) über 5641 (1986) auf 4639 (2001).

 

2002

Seit dem 1. Februar 2002 gehört die Gemeinde St. Kilian mit den Gemeinden Herz-Jesu, Grüne, Mariä-Himmelfahrt, Oestrich, und der Pfarrvikarie St. Josef, Stübbeken, zum neu gegründeten Pastoralverbund Letmathe.

 

2003

Im Jahr 2003 hat die Pfarrgemeinde im Rahmen eines Jubiläumsjahres ihr 750-jähriges Bestehen gefeiert.

 

 

Die obigen Ausführungen stammen im Wesentlichen aus dem Buch:
Trotier, P.: Geschichte der kath. Pfarrgemeinde St. Kilian, Letmathe. Iserlohn: Verlag Letmather Nachrichten, 1988